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Zen-Praxis

GEGENWÄRTIG SEIN
"Meister", fragten die Schüler,"wie machst du es, immer so glücklich zu sein?
Wir wären auch gerne so glücklich wie du. Was ist dein Geheimnis?"
Der Alte antwortete mit mildem Lächeln:
"WENN ICH LIEGE, DANN LIEGE ICH,
WENN ICH AUFSTEHE, STEHE ICH AUF,
WENN ICH GEHE, DANN GEHE ICH,
WENN ICH ESSE, DANN ESSE ICH."
"Aber das tun wir doch auch. Trotzdem sind wir nicht glücklich."
"Gewiss, das tut ihr auch. Aber wenn ihr liegt, denkt ihr schon ans Aufstehen,
wenn ihr aufsteht, überlegt ihr, wohin ihr gehen sollt
und wenn ihr unterwegs seid, fragt ihr euch schon, was ihr essen sollt.
So sind eure Gedanken ständig woanders und nicht da, wo ihr gerade seid.
IM SCHNITTPUNKT ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT FINDET DAS EIGENTLICHE LEBEN STATT.
Lasst euch auf diesen nicht messbaren Augenblick ganz ein und ihr habt die Chance,
wirklich glücklich und zufrieden zu sein."
Zazen
Zazen ist ein japanische Wort und bedeutet:
Za – sitzen
Zen – Versenkung
Zazen ist das Sitzen in Versunkenheit auf einem Kissen. In der äußeren Haltung sind dabei die Beine in einander geschlagen wie beim Lotus-Sitz im Yoga.
Der Rücken ist gerade, aber vollkommen entspannt, und die Hände sind entspannt ineinander gelegt, wobei sich die Daumenspitzen leicht berühren.
Die Augen bleiben halb geöffnet, der Blick bleibt entspannt ohne Umherschweifen zum Boden gesenkt.
Kinhin
Kinhin ist die Bezeichnung für die Meditation im Gehen. Man geht pro Atemzug einen Schritt. Beim Einatmen schreitet man entschlossen nach vorne.
Beim Ausatmen verlagert man das gesamte Gewicht auf den vorderen Fuß. Die Fußsohlen beider Füße bleiben auf dem Boden.
Der vordere Fuß bildet mit Wirbelsäule und Kopf eine Linie. Man streckt den Scheitel gegen den Himmel und den vorderen Fuß gegen die Erde.
Die Arme werden vor dem Körper so gehalten, dass die linke Hand eine Faust bildet, welche von der rechten Hand umschlossen wird.
Die Hände werden gegeneinader in Höhe des unteren Brustbeins gehalten, die Ellenbogen zeigen zur Seite. Man atmet ruhig und langsam aus.
Das Einatmen erfolgt automatisch, begleitet vom nächsten Schritt.
Kinhin wird in der Regel etwa fünf Minuten gemacht und findet zwischen zwei Zazen-Perioden statt.
Zen im Alltag
Ein anderer, ebenso wichtiger Teil der Zen-Praxis, besteht aus der Konzentration auf den Alltag.
Dies bedeutet einfach nur, dass man sich auf die Aktivität, die man gerade in diesem Augenblick ausübt,
vollkommen konzentriert, ohne dabei irgendwelchen Gedanken nachzugehen, so wie es in der oben erzählten Geschichte beschrieben ist.
"Wenn ihr fähig seid zu sitzen, zu erfahren, was Shikantaza ist,
dann wird der Sinn eures Lebens völlig anders sein.
Ihr werdet frei sein von allem."
Shunryu Suzuki
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